Schiene statt Straße

Obersteirische Betriebe setzen nun auf heimische Logistik-Zugkraft

Schiene statt Straße: In der Obersteiermark verlagern die Vorzeigebetriebe Breitenfeld Edelstahl und CNC-Spezialist Heldeco sukzessive die Warenan- und Ablieferung von der Straße auf die nachhaltige Schiene. Bei einem Arbeitsbesuch der ÖBB Rail Cargo Group (RCG) wurden die ersten Weichen für das Vorhaben gestellt – und auch Technologiekooperationen wurden auf Schiene gebracht.

Im kolossalen Industrieofen der Breitenfeld Edelstahl entsteht das Fundament für die Technologie von morgen: So werden insbesondere für den Energiesektor, den Werkzeug- und Maschinenbau sowie das Transportwesen und die Automotive-Industrie rund 130.000 Tonnen Qualitätsedelstahl produziert – und vor allem exportiert. Mehr als 90 Prozent der Erzeugnisse – vom Rohblock bis zum geschmiedeten Halbzeug bzw. Stabstahl – werden in den internationalen Markt, vor allem nach Italien und Deutschland, geliefert. Der überwiegende Anteil wird aktuell via Lkw ins Zielland überführt – das soll sich mittelfristig ändern: Beim aktuellen Arbeitsbesuch der ÖBB Rail Cargo wurden vom 320-köpfigen Mürztaler Betrieb nun die Weichen in Richtung Schiene gestellt. „Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Wir freuen uns über das Engagement der obersteirischen Betriebe und über eine gemeinsame Konzepterstellung für die Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene. Die RCG will die österreichischen KMU und somit die österreichische Wirtschaft unterstützen und einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten“, betont RCG-Vertriebsvorstand Thomas Kargl beim persönlichen Besuch.

Strategisches Langezeitvorhaben

Konkret liegt der Anteil der zurzeit auf Schiene ausgelieferten Erzeugnisse im niedrigen einstelligen Prozentbereich, mittelfristig will das Traditionsunternehmen auf über 20.000 Tonnen pro Jahr heben – das entspricht einem Anteil von über 20 Prozent im Vergleich zum Status Quo. Für Breitenfeld Edelstahl-CEO Gilbert Krenn liegen die Vorteile auf der Hand: „Als einer der größten Arbeitgeber der Region sind wir uns unserer Verantwortung für eine intakte Umwelt bewusst. Darum wollen wir dort, wo es machbar ist und Anschlussgleise vorhanden sind, sukzessive den Ausfuhranteil unserer Stahlprodukte durch nachhaltige Bahnlogistiklösungen steigern. Darum freuen wir uns sehr, heute mit der Rail Cargo Group den Startschuss für dieses strategische Langzeitvorhaben geben zu können.“ Die Anlieferung erfolgt indes bereits zu 100 Prozent mit Hilfe der Rail Cargo: Mehr als 100.000 Tonnen Schrott werden pro Jahr ins Mürztaler Werk auf Schiene transportiert.

High-End-Bahnlogistik für Heldeco

Zug um Zug in Richtung Nachhaltigkeit zieht Breitenfeld Edelstahl-Technologiepartner Heldeco:  Der im Grenzland zwischen Turnau und Aflenz liegende 60-köpfige Betrieb setzt ab sofort ebenfalls auf die verstärkte An- und Ablieferung via Bahn – nicht nur aufgrund der höheren Umweltfreundlichkeit und niedrigen CO2-Werte gegenüber des Straßentransports: „Hochpräzise End-to-end-Logistiklösungen auf Schiene weisen tatsächlich höhere Verlässlichkeit und Geschwindigkeiten auf. Diese Vorteile wollen wir uns am internationalen Markt zunutze machen“, betont HELDECO-Eigentümer Helmut Dettenweitz. Rund 90 Prozent der von Heldeco bearbeiteten Komponenten – etwa für Wasserkraft-, Lebensmittel und Flugzeugindustrie, Schiffsbau und Automotive – gehen direkt bzw. indirekt ins Ausland.

Regionales Konsortium

Nachahmer könnten die Vorreiterbetriebe Breitenfeld und Heldeco schon bald finden – auch in der Region: Die Kapfenberger Feinguss-Spezialisten von Ventana, der 3D-Druck-Pionier RPD und Pengg Austria, mit Sitz in Thörl, haben anlässlich des Rail Cargo-Arbeitsbesuchs Bahnlogistik-Lösungen evaluiert. „Für uns ist entscheidend, unseren exportorientierten, regionalen Unternehmungen den nachhaltigen Zugang zum internationalen Markt – gerade in herausfordernden Zeiten, wie wir sie aktuell vorfinden – zu erleichtern. Mit diesem strategischen Treffen haben wir neue, zukunftsorientierte Möglichkeiten in den Fokus gestellt“, betont Wirtschaftskammerfunktionär Hugo Sampl, Co-Initiator des Meetings.

Steirische Technologie-Kooperationen

Kooperationsmöglichkeiten im technologischen Bereich wurden ebenfalls evaluiert: „Wir können individuelle Anforderungen unserer Auftraggeber sehr flexibel und rasch umsetzen – schon jetzt ist unser Stahl die Grundlage für unterschiedliche Anwendungen in der weltweiten Bahnindustrie. Wir wollen hier unser Know-how weiter einbringen – auch im Verbund mit regionalen Betrieben, um die heimische Wertschöpfungskette weiter zu intensivieren“, betont Jürgen Frank, Vertriebsvorstand der Breitenfeld Edelstahl. „Wir sehen den fachlichen Gedankenaustausch mit Breitenfeld Edelstahl und Heldeco als sehr nützlich und horizonterweiternd an. Im Falle von Kooperationen unterstützt die RCG gerne als Referenzgeber von internationalem Rang “, so Kargl.

Rail Cargo Group: Güterverkehr der ÖBB

Mit 9.340 MitarbeiterInnen, Niederlassungen in ganz Europa und einem Jahresumsatz von rund 2,3 Milliarden EUR zählt die Rail Cargo Group zu den führenden Bahnlogistikunternehmen Europas. Die Rail Cargo Group betreibt gemeinsam mit starken Partnern ein flächendeckendes Netz an End-to-end-Logistik in Europa und darüber hinaus bis Asien. Sie verbindet europäische Ballungszentren und Häfen mit prosperierenden Wirtschaftszentren Russlands, der Türkei bis nach China. Operative Leitgesellschaft der Rail Cargo Group ist die Rail Cargo Austria AG.

ÖBB: Heute. Für morgen. Für uns.

Schon heute bringen die ÖBB als umfassender Mobilitätsdienstleister jährlich 477 Millionen Fahrgäste und 105 Millionen Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2019 mit rund 96 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen in die Bahninfrastruktur von über zwei Milliarden Euro jährlich bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit 41.904 MitarbeiterInnen bei Bus und Bahn sowie zusätzlich rund 2.000 Lehrlinge sorgen dafür, dass täglich rund 1,3 Millionen Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind das Rückgrat von Gesellschaft und Wirtschaft und sind Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

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