Ein Tag mit Mirco Venetz

HI!

Ich bin Mirco Venetz und ich darf euch heute erzählen, wie abwechslungsreich und spannend so ein Tag im Stahlwerk für einen Lehrling ist. Angefangen bei unserem Lichtbogenofen, wo der Schrott eingeschmolzen wird über die Sekundärmetallurgie bis hin zur Gießgrube. Momentan bin ich, wie wir es nennen, im „neuen Stahlwerk“ bei den Pfannenöfen und wie mein Tag dort so aussieht, das erfahrt ihr jetzt:

Start in den Tag

Mein Tag beginnt, versetzt zur normalen Schichtzeit, um 6:30 Uhr an der Stempeluhr. Dann gehe ich gleich in die Umkleide und ziehe mir meine Sicherheitsausrüstung an. Wenn ich umgezogen bin, gehe ich gleich ins neue Stahlwerk zu den Pfannenöfen, ich begrüße meine Arbeitskollegen und mache mich mit dem Gussprogramm und der Tagesliste vertraut. Ich sehe, dass unsere Charge gerade im Ofen eingeschmolzen wird. Noch bevor die Charge abgestochen wird, vergewissere ich mich, dass der Arbeitsplatz sauber ist und ob alles, was voraussichtlich gebraucht wird, da ist. Ich kontrolliere, ob die Pfannenofenelektroden lang genug sind oder ob diese nachgelassen oder „genippelt“ werden müssen. Dies bedeutet, dass ein zusätzliches Elektrodenstück aufgeschraubt werden muss, damit auch die Schmelze geheizt werden kann. Alles ist vorbereitet und die Schmelze ist kurz vor dem Abstich – zusammen mit dem Anlagenführer begebe ich mich zum Ofen, um die ersten Legierungen zu berechnen und zu legieren.

Kontrolle und Analyse

Nun gehen wir zurück zu den Pfannenöfen und wenn die Charge eintrifft, beginnt für uns die eigentliche Arbeit. Die Charge wird geheizt und auf die Sollanalyse legiert. Die Schlacke wird von uns immer wieder kontrolliert und wenn nötig mit Kalk, Tonerde und Alu-Grieß korrigiert. Wenn die Analyse für die Weiterbehandlung passt, beginnen wir mit der Vakuumentgasung. Diese dient dazu, Gase zu entfernen, die dem Stahl schaden würden und den Reinheitsgrad zu erhöhen. Nach der Vakuumbehandlung wird die Stahlschmelze für den Gießprozess vorbereitet. Das heißt: die letzten Legierungen werden gesetzt und zum Schluss wird noch je nach Qualität zirka 20 Minuten nachgespült. Das Nachspülen dient unter anderem wieder dazu, um den Reinheitsgrad zu erreichen, den wir garantieren. Zum Schluss noch eine letzte Probe ziehen, welche für das Werkszeugnis verwendet wird.

Die Glocke läutet

Dann läuten wir traditionell die Glocke, damit auch in der Grube alle Bescheid wissen, dass gleich gegossen wird. Heute ist ein ruhiger Tag, darum gehe ich auch in die Grube und helfe beim Gießen. Der Gießwagen steht schon bereit und die Kokillen wurden in der Zwischenzeit zugestellt, mit Argon geflutet und das richtige Gießpulver wurde in der richtigen Höhe eingehängt. Die Pfanne wird in den Gießwagen gehoben, der Pfannenschieber wird angeschlossen und sobald der Ausguss in der richtigen Position ist, wird der Pfannenschieber geöffnet. Zuerst ein paar hundert Kilo Vorlaufstahl in die Kiste und dann kann das Füllen der Kokillen beginnen. Die Kokillen füllen sich und werden voller und voller. Die Blöcke sind fertig gegossen, jetzt noch das exotherme Aufschweißpulver auflegen und sobald das abgebrannt ist, kommt letztendlich noch das Abdeckpulver oben drauf. Wir nennen das „Schopfbehandlung“. Ich blicke nochmal auf die fertig gegossenen Kokillen, jetzt müssen diese einige Stunden stehen bleiben zum Erstarren. Meine Arbeit für heute ist getan.

Lehrreich und spannend

Kurz bevor ich mich Duschen und Umziehen gehe, schaue ich noch im Büro vorbei und erledige da noch kleine Aufgaben, meist Auswertungen von Produktionsdaten für allerlei Auswertungen. Die Uhr schlägt 14:30, ich gehe in die Umkleide und dann stemple ich mich für heute aus. Auf dem Weg zum Bahnhof lasse ich den Tag nochmal etwas Revue passieren, und stelle fest, es war wieder ein lehrreicher, spannender Tag.